Still leben

Novelle

Still Leben ist die eigenartige Geschichte des Kunstfälschers Jan Hájek, der sein Leben damit verbringt, die Wahrheit hinter den Dingen zu suchen, die ihn umgeben – und sich dabei unmerklich zu einer einsamen und durch und durch gescheiterten Kreatur entwickelt. Denn auf seinem Lebensweg aus der Mährischen Provinz in die damalige Tschechoslowakische Hauptstadt Prag, in die italienischen Kleinstädte Grado und Sanremo und später dann zurück ins tschechische Prag lässt er sich immer weniger auf seine Mitmenschen ein und taucht in eine Welt zwischen Farbe und Leinwand ab, die nur er zu verstehen scheint. Fixiert auf seine kaum nachvollziehbare Suche entzieht er sich immer stärker lebenswichtigen Faktoren wie Liebe, Freundschaft oder sozialen Kontakten, um am Ende zwar zu erkennen, dass seine Suche überflüssig war – doch ist er nicht mehr in Lage, daraus wirkliche Konsequenzen zu ziehen.

 

Eingebettet ist die Geschichte in eine Rahmenhandlung, die in einer einzigen Nacht und dem darauf folgenden Tag spielt: Der Kunstfälscher Hájek hat innerhalb mehrerer Stunden drei Erpresserbriefe erhalten, in denen ihm jemand androht, ihn zu vernichten. Da er aufgrund seiner verbotenen Falschmalerei die Polizei nicht einschalten kann und zudem sehr beunruhigt darüber ist, dass überhaupt jemand über seine stets gut getarnte Tätigkeit Bescheid weiß, wählt er einen ungewöhnlichen Weg: Er sucht Rat bei einem Prager Unikum, dem "Philosophen". Dieser residiert in einer typischen Prager Spelunke und weiß weitaus mehr über seine Mitbürger, als diese ahnen. Auch Hajek, an sich die personifizierte Unauffälligkeit, muss dies erkennen – und kann sich im Gespräch mit dem Philosophen dessen Charisma nicht entziehen. Zunächst noch zögerlich, dann jedoch immer ausführlicher beginnt er dem Fremden seine merkwürdige Geschichte zu erzählen. In Rückblicken erfährt der Leser so Stück für Stück und stets mit viel Lokalkolorit, wie eine unsichtbare Macht den jungen Hajek von Anfang an zur Malerei bringt und wie sein zunehmender beruflicher Erfolg stets einher geht mit seiner wachsenden Unfähigkeit, menschliche Nähe zu ertragen. Und obwohl Hajek sein Leben leise und monoton erzählt, sorgen die Einblicke in seine verstörte Psyche dafür, dass sich langsam ein unterschwelliges Grauen darüber einschleicht, wie krank der scheinbar so harmlose und unauffällige Mitbürger in Wirklichkeit ist.